{"id":760,"date":"2022-02-14T12:05:44","date_gmt":"2022-02-14T11:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/?p=760"},"modified":"2022-02-14T12:06:18","modified_gmt":"2022-02-14T11:06:18","slug":"schweden-2021-22-goeteborg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/2022\/02\/14\/schweden-2021-22-goeteborg\/","title":{"rendered":"Schweden 2021\/22 &#8211; G\u00f6teborg"},"content":{"rendered":"<p>&#8211; by <em>Stefan Hill<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Vorbereitung<\/h2>\n<p>Zur Vorbereitung gibt es nicht besonders viel zu berichten, denn grunds\u00e4tzlich kann man relativ wenig falsch machen, wenn man einfach den Instruktionen auf der Webseite vom International Office folgt. Ein klein wenig mehr b\u00fcrokratischen Aufwand hat man, wenn man das Auslandssemester w\u00e4hrend man vor Ort ist spontan verl\u00e4ngern m\u00f6chte. Hier empfiehlt es sich daher, so fr\u00fch wie m\u00f6glich mit der Planung der Verl\u00e4ngerung zu beginnen.<\/p>\n<h2>Wohnen<\/h2>\n<p>Ich habe mir f\u00fcr den Anfang erstmal ein Airbnb geholt und die Stadt nach den besten Spots erkundet. Mein Zimmer f\u00fcr das erste Semester habe ich dann auf einer Webseite namens bostadsportal [1] gefunden, nachdem ich circa 200 Anfragen rausgeschickt hatte. Wichtig zu wissen ist eigentlich nur, dass der Wohnungsmarkt in gro\u00dfen St\u00e4dten einfach sehr schnell ist und man m\u00f6glichst innerhalb der ersten Minuten nachdem eine Anzeige ver\u00f6ffentlicht wurde direkt antworten muss und bereit sein muss, direkt einen Besichtigungstermin auszumachen.<\/p>\n<p>WGs wie in Deutschland gibt es in Schweden eher selten, meistens wohnt man mit dem Vermieter selbst zusammen in einer Wohnung. In meinem Falle war das dann eine Familie und ein anderer Student. Die Wohnung war in Lunden, was mit \u00d6PNV von der Innenstadt in 15 Minuten und vom Campus in 25 Minuten erreichbar ist und die Miete von 500\u20ac war ziemlich im Durschnitt \u2013 je nach Lage zahlt man zwischen 400\u20ac und 750\u20ac im Monat. Wer eine zentrale Lage sch\u00e4tzt, sollte in den Vierteln Haga, Vasa, Valand oder Inom Vallgraben ausschau halten. Wer nah am Campus wohnen m\u00f6chte eher in Johanneberg oder Landala.<\/p>\n<p>Wer \u00fcber Erasmus an der Chalmers studiert hat keine feste Platzzusage im Studentenwohnheim. Falls man also unbedingt in einem Studentenwohnheim leben m\u00f6chte, sollte man sich entweder drei Jahre vorher in eine Warteliste eintragen, zwei Monate vorher nach einem Last-Minute-Zimmer [2] suchen und dann ein bisschen fr\u00fcher nach Schweden fahren oder in ganz vielen Facebook-Gruppen anmelden und ein bisschen Gl\u00fcck haben.<\/p>\n<h2>G\u00f6teborg als Stadt<\/h2>\n<p>Der Vorteil von dieser Wohnung war, dass man sehr schnell in die umliegenden W\u00e4lder zum Laufen gehen konnte. In G\u00f6teborg gibt es generell sehr viele gr\u00f6\u00dfere Parks in der ganzen Stadt, wo man gut wandern gehen oder Sport machen kann. Man sollte dabei allerdings nicht untersch\u00e4tzen, dass die Landschaft insgesamt nicht so flach ist, wie es auf der Karte scheint \u2013 der Campus selbst liegt auch auf einem kleinen H\u00fcgel.<\/p>\n<p>Der \u00d6PNV ist in G\u00f6teborg sehr gut ausgebaut und man kann mit dem innerst\u00e4dtischen Zone-A-Ticket sogar mit der F\u00e4hre raus auf die Inseln fahren. Ein gem\u00fctlicher Ort f\u00fcr einen Kaffee ist Haga \u2013 das historische K\u00fcnstlerviertel \u2013 einen Club besucht man in Avenyn oder eine Kneipe in Andra Langgatan. Man kann au\u00dferdem gut am Hafen spazieren gehen oder von kleinen Parks wie Skansen Kronan auf die Stadt herunterschauen. Tages- oder Wochenendreisen nach Oslo und Stockholm sind im Erasmus-Budget durchaus drin [3] \u2013 im Winter kann man auch Reisen nach Lappland buchen.<\/p>\n<h2>Chalmers \u2013 die Universit\u00e4t<\/h2>\n<p>Chalmers ist eine private Universit\u00e4t und \u00e4hnelt in vielerlei Hinsicht einer nordamerikanischen Eliteuni. \u00dcberall sieht man das Chalmers-Logo und jeder in der Stadt kennt die Uni und ihren Ruf, der teilweise dadurch zustande kommt, dass manche Fachschaften sehr spezielle Aufnahmerituale pflegen. Einer Legende nach soll man als Student beispielsweise in einer Ritterr\u00fcstung auftauchen, wenn man bei einer Klausur den zehnten Versuch schreibt.<\/p>\n<p>Generell tragen die Studierenden an der Chalmers sehr viel Eigenverantwortung. Unter anderem unterh\u00e4lt die Studierendenschaft drei H\u00fctten mit Sauna am See [4]. In der Uni gibt es zahlreiche Caf\u00e9s und Restaurants, sowie Sportanlagen und auch eine Sauna mit Schwimmbad. Nachdem man den Semesterbeitrag in H\u00f6he von 20\u20ac bezahlt hat, genie\u00dft man au\u00dferdem Verg\u00fcnstigungen bei Bustickets, in mehreren Gyms und bei Coop kann man Nudeln und Pesto zum halben Preis kaufen [5].<\/p>\n<p>Das Profil der Universit\u00e4t ist sehr stark technisch ausgerichtet, was bedeutet, dass im Vergleich zu Koblenz deutlich mehr Veranstaltungen angeboten werden, die zu einem Informatik-Studium passen. Die Veranstaltungen werden grunds\u00e4tzlich auf Englisch gehalten und generell sprechen fast alle Schweden ein gutes Englisch.<\/p>\n<h2>Kurse und Studiensystem<\/h2>\n<p>F\u00fcr das Auslandssemester hatte ich mir vorgenommen, m\u00f6glichst viele interdisziplin\u00e4re Kurse zu belegen \u2013 und das w\u00fcrde ich immer noch jedem empfehlen, der ins Ausland geht. Gerade dadurch, dass man als Informatiker sp\u00e4ter eigentlich in jeder Branche arbeiten kann, dachte ich mir, dass es sicher sinnvoll sei, sich mal die verschiedenen Methodiken und grunds\u00e4tzlichen Konzepte anderer Disziplinen anzuschauen. Man sollte dazu vielleicht sagen, dass das akademische Jahr in Schweden in vier study periods organisiert ist, die ungef\u00e4hr halb so lang wie ein deutsches Semester sind [6]. Pro study period hat man dann zwei Kurse, und das ist von der Auslastung so berechnet, dass man immer noch genug Freizeit hat.<\/p>\n<p>Begonnen habe ich daher in der ersten study period mit dem Kurs \u201eFuture renewable energy systems\u201c. Thematisch ging es um Windparks, Wasserkraft und Solaranlagen und wie man diese ans Netz anbindet. Neben den Vorlesungen gab es einen Ausflug zu einem Windpark und ein Laborpraktikum mit Experimenten zu Solaranlagen. Die Pr\u00fcfungsleistung bestand aus einer Klausur und einem Paper \u00fcber ein beliebiges fachlich relevantes Thema. Wenn man ein wenig drau\u00dfen an der frischen Luft arbeiten m\u00f6chte, ist dieser Kurs sicherlich eine gute Idee und mein pers\u00f6nliches Fazit ist, dass man mit Ingenieuren ziemlich gut chillen kann.<\/p>\n<p>Meinen zweiten Kurs \u201eQuantum information &amp; quantum optics\u201c habe ich nach vier Wochen abgebrochen, weil ich feststellen musste, dass ich meine Oberstufenkenntnisse der Quantenmechanik besser in einem dreij\u00e4hrigen Bachelorstudium vertieft h\u00e4tte, bevor ich mir diesen Kurs gegeben h\u00e4tte. Danke an dieser Stelle an Nils und Tobi aus Aachen, die trotzdem ihr Bestes gegeben haben, um mich durchzubringen. Ich fange jetzt meine Masterarbeit zu einem Thema im Bereich Quanten Computing an und das h\u00e4tte ich mir vor ein paar Monaten nicht wirklich zugetraut.<\/p>\n<p>Statt diesem Kurs habe ich mir dann alle Unterlagen zu \u201eVertiefung Theoretische Informatik\u201c reingezogen und eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung bei Frau Prof. Sofronie-Stokkermans in Koblenz abgelegt. Das ging wegen Corona digital und war unter dem Gesichtspunkt praktisch, weil das Modul im Master Informatik ein Pflichtfach ist. Gleichzeitig habe ich dann im Oktober digital an der Uni Koblenz das Modul \u201eSmart Process Analytics\u201c gestartet. Auch dieser Kurs ging gut digital aus Schweden, weil er vor allem aus zwei gro\u00dfen Gruppenarbeiten in Form einer Programmieraufgabe besteht und die Pr\u00fcfung erst im Februar ist.<\/p>\n<p>In der zweiten study period habe ich dann zwei Kurse aus der Richtung Technologie und Management gew\u00e4hlt. \u201ePractical leadership &amp; entrpreneurship\u201c bestand zum gr\u00f6\u00dften Teil aus einer Gruppenarbeit mit einer echten Firma im Bereich Windenergie, f\u00fcr die wir als externe Berater ein Konzept f\u00fcr Stakeholder Management erstellen mussten und in einer Veranstaltung am Kursende pitchen mussten. \u201ePlatform development &amp; modularization management\u201c war ein theoretischer Kurs in dem die Vorteile von verschiedenen Strategien der Organisation von R&amp;D Abteilungen diskutiert wurden. Beide Module beinhalteten Seminare, Gruppenarbeiten und die Benotung basierte haupts\u00e4chlich auf einer finalen Reflektion \u00fcber die Erfahrungen im Kurs. Wenn man aus dem Grundstudium eher Klausuren gew\u00f6hnt ist, ist diese Art zu arbeiten etwas neu, aber hat auch etwas f\u00fcr sich. Man ist deutlich freier in dem was man tut und n\u00e4her an der tats\u00e4chlichen Situation auf der Arbeit sp\u00e4ter. Andererseits w\u00fcrde ich sagen, dass man deutlich weniger Faktenwissen lernt und es sich dadurch anf\u00fchlt, als habe man am Ende nichts Vorzeigbares erreicht.<\/p>\n<p>Insgesamt wird im schwedischen Bildungssystem sehr viel Wert auf eigenst\u00e4ndiges Arbeiten gelegt. Das spiegelt sich auch in der Architektur der Universit\u00e4t wider. In jedem Geb\u00e4ude gibt es ganze Flure mit sehr gut ausgestatteten Gruppenr\u00e4umen, die man als Student \u00fcber digital buchen kann. Auch waren die Veranstaltungen perfekt auf hybride Arbeitsformate ausgelegt. Was manchmal eine kleine \u00dcbung in Zeitmanagement war, weil es keinen regelm\u00e4\u00dfigen Rhythmus gab, wenn eine Gastvorlesung dazwischengeschoben wurde.<\/p>\n<p>Anders als in Deutschland startet das akademische Jahr in Schweden schon Ende August und das sollte man ber\u00fccksichtigen, wenn man nach Schweden f\u00e4hrt. F\u00fcr einen gem\u00fctlichen Aufenthalt in Schweden eignet sich daher besser das Wintersemester, weil man ansonsten ein ganzes Semester verliert. Plant man allerdings mit hybriden Optionen und ist flexibel in seinen Arbeitszeiten, kann man sehr gut parallel an beiden Universit\u00e4ten gleichzeitig studieren.<\/p>\n<h2>Masterarbeit im Ausland<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend ich diesen Bericht schreibe, befinde ich mich gerade in der Planung f\u00fcr die Masterarbeit. Zum Zeitpunkt, zu dem ich diesen Bericht schreibe, ist nicht ganz klar, wie die Masterarbeit gef\u00f6rdert wird. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Masterarbeit nicht \u00fcber Erasmus angerechnet werden kann, daher empfiehlt sich folgendes Konstrukt: Mit Erasmus ein Semester Kurse belegen, ein zweites Semester als Erasmus Zero Grant Phase anmelden und zus\u00e4tzlich f\u00fcr ein PROMOS-Stipendium beim DAAD bewerben [7].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/bostadsportal.se\/\">https:\/\/bostadsportal.se\/<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/sgs.se\/Mina-sidor\/Login?return=https:\/\/sgs.se\/mina-sidor?sc_lang=en\">https:\/\/sgs.se\/Mina-sidor\/Login?return=https:\/\/sgs.se\/mina-sidor?sc_lang=en<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.flixtrain.se\/tagforbindelser\/goeteborg-stockholm\">https:\/\/www.flixtrain.se\/tagforbindelser\/goeteborg-stockholm<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/chalmersstudentkar.se\/recreation-harryda\/\">https:\/\/chalmersstudentkar.se\/recreation-harryda\/<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/mecenat.com\/se\">https:\/\/mecenat.com\/se<\/a><\/p>\n<p>[6] <a href=\"https:\/\/student.portal.chalmers.se\/en\/chalmersstudies\/Pages\/TheAcademicYear.aspx\">https:\/\/student.portal.chalmers.se\/en\/chalmersstudies\/Pages\/TheAcademicYear.aspx<\/a><\/p>\n<p>[7] <a href=\"https:\/\/www.uni-koblenz-landau.de\/de\/international\/studis-ins-ausland\/foerdermittel\/DAAD\/promos\">https:\/\/www.uni-koblenz-landau.de\/de\/international\/studis-ins-ausland\/foerdermittel\/DAAD\/promos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; by Stefan Hill<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":762,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-760","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=760"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":764,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/760\/revisions\/764"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/media\/762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/auslandsstudium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}