{"id":190,"date":"2021-03-04T11:14:43","date_gmt":"2021-03-04T10:14:43","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/?p=190"},"modified":"2021-03-05T08:04:28","modified_gmt":"2021-03-05T07:04:28","slug":"was-macht-eigentlich-eine-gleichstellungsbeauftragte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/2021\/03\/04\/was-macht-eigentlich-eine-gleichstellungsbeauftragte\/","title":{"rendered":"Was macht eigentlich &#8230; eine Gleichstellungsbeauftragte?"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Tanja Gnosa ist hauptamtlich Lehrende im Bereich Sprachwissenschaft am Institut f\u00fcr Germanistik. Zudem ist sie als Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs t\u00e4tig. Am 1. April dieses Jahres tritt sie das Amt der zentralen Gleichstellungsbeauftragten der Universit\u00e4t und somit die Nachfolge Helga Arends an.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Prek\u00e4re Arbeitsbedingungen f\u00fcr Wissenschaftlerinnen<\/strong><\/p>\n<p>Im Anschluss an das Studium der Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Betriebsp\u00e4dagogik an der RWTH Aachen erhielt Tanja Gnosa eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Bereits ein Jahr sp\u00e4ter emeritierte ihr Vorgesetzter und die junge Wissenschaftlerin musste sich um eine neue Anstellung bem\u00fchen. Mit einer halben Stelle und der Perspektive auf eine eineinhalbj\u00e4hrige Anstellung startete Tanja Gnosa 2010 am Koblenzer Institut f\u00fcr Germanistik. \u201eUnd da sind wir auch schon mitten im Thema\u201c, gibt Tanja Gnosa zu bedenken. \u201eBefristete Stellen, halbe Stellen, das ist gang und g\u00e4be im Wissenschaftsbetrieb. F\u00fcr eine selbstst\u00e4ndige Lebensplanung ist das fatal und die Situation gerade f\u00fcr Wissenschaftlerinnen prek\u00e4r.\u201c Durch die Arbeit im Ada-Lovelace-Projekt, dessen Ziel es ist, junge M\u00e4dchen und Frauen f\u00fcr MINT-Berufe zu begeistern, kam Tanja Gnosa 2011 erstmals mit Genderfragen und Genderpolitik in Ber\u00fchrung. 2017 wurde sie zur Mittelbauvertreterin und Gleichstellungsbeauftragten des Fachbereichs gew\u00e4hlt. \u201eZu dem Posten kam ich sozusagen wie die Jungfrau zum Kinde. In der konstituierenden Sitzung des neuen Fachbereichsrats stand die Frage im Raum, wer sich bereit erkl\u00e4rt, Gleichstellungsaufgaben zu \u00fcbernehmen. Dann zeigten pl\u00f6tzlich einige Finger auf mich, ich \u00fcberlegte kurz und gab mein Okay. Da ich mich in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit als Vertreterin aller Statusgruppen verstehe, der wissenschaftlichen wie nicht-wissenschaftlichen wie studentischen, erg\u00e4nzten sich die beiden Posten ganz gut.\u201c<\/p>\n<p><em><strong>\u00a0\u201eEine dezentrale Gleichstellungsbeauftragte sucht sich im positiven Sinne ihre Arbeit selbst.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der Stellenwert des Gleichstellungsparagrafen hat in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen. Das Einsetzen von Gleichstellungsbeauftragten ist im Hochschulgesetz verankert; ihr Einbezug geh\u00f6rt an der Universit\u00e4t zum notwendigen Verfahren etwa bei Einstellungen. \u201eDie Einstellungsverfahren stellen den L\u00f6wenanteil meiner Arbeit dar. Es ist eine sehr aufwendige und zeitintensive Arbeit, bis eine Stelle besetzt ist. Hier k\u00f6nnen wir aber auch viel bewegen, so stieg der Professorinnen-Anteil auf 39 Prozent.\u201c Von Gleichberechtigung kann aber noch keine Rede sein. Der Frauenanteil nimmt auch am Campus Koblenz mit Blick auf die Statusgruppen nach oben hin deutlich ab. In Sachen Gleichstellung ist also noch viel zu tun. \u201eEine dezentrale Gleichstellungsbeauftragte sucht sich im positiven Sinne ihre Arbeit selbst. Das bedeutet, in jedem Zusammenhang zu versuchen, die Genderperspektive in den Blick zu nehmen, und zwar sowohl in den Heiminstituten, aber auch in den Aussch\u00fcssen und Gremien.\u201c Die Gleichstellungsbeauftragte ist automatisch beratendes Mitglied des Senatsausschusses f\u00fcr Gleichstellungsfragen, eine Art Sammelstelle f\u00fcr Gleichstellungst\u00e4tigkeiten am Campus, die auch konkret auf Anfragen etwa aus dem AStA-Referat \u201eGender und Queer\u201c reagiert. Zudem muss alle sechs Jahre ein neuer Gleichstellungsplan aufgesetzt werden, der Statistiken, Entwicklungslinien und Perspektiven f\u00fcr eine geschlechtergerechte Universit\u00e4t aufzeigt. Mit der eigenst\u00e4ndigen Universit\u00e4t Koblenz ab dem 1. Januar 2023 steht auch die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten an einem Wendepunkt. Bei der Ausgestaltung der neuen Strukturen sollte Gleichstellung ein zentrales Element darstellen, etwa mit Blick auf die neue Grundordnung, die zum einen eine Form von Selbstverpflichtung ist und zum anderen ganz konkret Rechte einklagbar macht. \u201eMir w\u00e4re es wichtig f\u00fcr die neue Universit\u00e4t, die Gleichstellung noch st\u00e4rker institutionell zu verankern. Und das hei\u00dft unter anderem auch, dass dezentrale Gleichstellungsbeauftragte f\u00fcr ihre Arbeit wertgesch\u00e4tzt werden.\u201c Das Amt der zentralen Gleichstellungsbeauftragten wahrzunehmen, bedeutet gleichsam, die eigene Forschung und wissenschaftliche Laufbahn hintanzustellen. Um in diesem Amt dann auch wirklich etwas bewegen zu k\u00f6nnen, braucht man Ressourcen, zum einen f\u00fcr gleichstellungsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen und Projekte, zum anderen ein engagiertes Team. \u201eGleichstellung darf nicht nur angesehen sein, wenn sie nichts kostet und keine Reibungen verursacht. Es ist leider immer wieder zu beobachten, dass mit viel Engagement erfolgreiche Strukturen aufgebaut werden, die verpuffen, sobald die F\u00f6rderungen auslaufen. Dem sollte entgegengewirkt werden.\u201c<\/p>\n<p><em><strong>\u201eIch \u00e4rgere mich vor allem \u00fcber Leute, die sich immer nur \u00e4rgern und nichts tun.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Tanja Gnosa hat sich als Studentin nie als benachteiligt wahrgenommen. Das Bewusstsein sei erst mit der Zeit gewachsen. \u201eIch \u00e4rgere mich oft. (lacht) An vielen Stellen.\u201c Der Unmut, so erz\u00e4hlt sie, sei noch gr\u00f6\u00dfer geworden, als sie sich in ihrem Seminar zu Sprache und Geschlecht auch in der Lehre mit feministischen Positionen auseinandergesetzt habe. \u201eIch \u00e4rgere mich vor allem \u00fcber Leute, die sich immer nur \u00e4rgern und nichts tun. Und deswegen mache ich das gerne, freu mich \u00fcber die Aufgabe und freue mich vor allem auch \u00fcber das Vertrauen des Senatsausschusses f\u00fcr Gleichstellungsfragen, der mich nominiert hat, und des Senats, der mich einstimmig gew\u00e4hlt hat. Diesem Vertrauensvorschuss werde ich versuchen gerecht zu werden.\u201c Gleichstellungsarbeit ist nicht Gender Studies und auch wenn Chancengleichheit nicht nur die Ber\u00fccksichtigung mindestens zweier Geschlechter betrifft, sind der Funktion der Gleichstellungsbeauftragten hier auch Grenzen gesetzt. \u201eEs sind lange Wege, bis diese Diskurse Einzug halten und institutionalisiert werden.\u201c Aber auch wenn die Etablierung einer \u201eDiversity-Beauftragten\u201c noch Zukunftsmusik ist, versucht Tanja Gnosa ihre Arbeit in Sachen Gleichstellung hartn\u00e4ckig, weitsichtig, emphatisch und l\u00f6sungsorientiert voranzutreiben. \u201eF\u00fcr mich war und ist immer wichtig zu zeigen, es gibt hier eine Gleichstellungsstelle und der ist es nicht gleichg\u00fcltig, was hier passiert.\u201c Pr\u00e4senz zeigen ist das Gebot der Stunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Tanja Gnosa ist hauptamtlich Lehrende im Bereich Sprachwissenschaft am Institut f\u00fcr Germanistik. Zudem ist sie als Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs t\u00e4tig. Am 1. 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