{"id":79,"date":"2020-10-28T10:11:54","date_gmt":"2020-10-28T09:11:54","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/?p=79"},"modified":"2021-02-22T16:28:45","modified_gmt":"2021-02-22T15:28:45","slug":"faszination-analoge-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/2020\/10\/28\/faszination-analoge-fotografie\/","title":{"rendered":"Faszination analoge Fotografie: Studierende portr\u00e4tieren Gastroszene"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde f\u00e4llt Licht durch das Objektiv der Kamera. Mit einem metallischen Klicken wird die Filmspule weitergedreht und durch den Ausl\u00f6ser ein weiterer Augenblick, ein Objekt, eine Stimmung auf das lichtempfindliche Aufnahmemedium gebannt. Doch erst in der Dunkelkammer kann das Bild vergr\u00f6\u00dfert und auf dem Fotopapier sichtbar gemacht werden. Die Atmosph\u00e4re im roten Licht des Fotolabors, wenn pl\u00f6tzlich Umrisse auf dem Papier im Entwicklerbad auftauchen und die Aufnahme Formen annimmt, hat schon etwas Magisches an sich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass viele Studierende am Campus Koblenz von der handwerklichen Herausforderung analoger Fotografie fasziniert sind. Dr. Martin Lilkendey lehrt am Institut f\u00fcr Kunstwissenschaft und bietet diesen Studierenden die M\u00f6glichkeit, sich von Polaroid \u00fcber die Camera obscura bis zum Nassplatten-Verfahren auszuprobieren. \u201eIn der analogen Fotografie wird man gezwungen, Fehler zu machen. Die experimentelle Herangehensweise hilft den Studierenden, einen ganz eigenen Stil und k\u00fcnstlerische Ausdrucksf\u00e4higkeit zu entwickeln\u201c, verr\u00e4t er.<\/p>\n<p><strong>\u201eKeiner von uns steht morgens gephotoshopt auf.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren ist auch mit wenigen Vorkenntnissen technisch nachvollziehbar und doch komplex in der Umsetzung. Analoge Fotografie ist irgendwie greifbar. Sich auszuprobieren, mit Unsch\u00e4rfe zu spielen, jedes Bild wertzusch\u00e4tzen, die Studierenden kommen regelrecht ins Schw\u00e4rmen, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten. Kulturwissenschaftsstudentin Katharina K\u00f6hler berichtet etwa von ersten Ber\u00fchrungspunkten mit analoger Fotografie, als sie mit einer Freundin durch Brasilien reiste: \u201eDurch die M\u00f6glichkeit der Digitalfotografie sind wir es gewohnt, mit einer Flut von Bildern aus dem Urlaub zur\u00fcckzukommen, die wir uns vielleicht nie wieder ansehen. Den Ausl\u00f6ser der analogen Kamera dr\u00fccke ich viel gezielter und nehme den Moment ganz bewusst wahr.\u201c Charlotte Fischer und Rouven Welschbach erg\u00e4nzen: \u201eZum einen sind die Fotos f\u00fcr uns wertiger, wir haben Zeit und Geld investiert, zum anderen sind sie charismatischer und authentischer, denn keiner von uns steht morgens gephotoshopt auf.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Koblenzer Altstadt in morbider Stimmung<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-135 alignleft\" src=\"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/wp-content\/uploads\/sites\/128\/2020\/10\/27d467cc-ea95-461a-8501-010d7d577a9c-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-136 alignleft\" src=\"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/wp-content\/uploads\/sites\/128\/2020\/10\/79da14b2-b8b8-4d3a-bbd9-b16cfa8f1846-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Diese harte, nicht gephotoshopte Wirklichkeit schl\u00e4gt dem Betrachter auch beim Anblick der ersten Aufnahmen des neuen Fotoprojektes entgegen. Gastst\u00e4tten, in denen \u00fcblicherweise reges Treiben herrscht, Gl\u00e4ser klirren und Lachen die R\u00e4ume mit Leben erf\u00fcllt, wirken wie ausgestorben. Die Fotografien zeigen hochgestellte St\u00fchle, Staub, der sich auf den Fu\u00dfboden legt, aufget\u00fcrmte Kontaktformulare des vergangenen Sommers, ein verstummter Fl\u00fcgel und einen Gastronomen, stellvertretend f\u00fcr viele andere, den der Lockdown an die Belastungsgrenze bringt. David Richard, der schon seit vielen Jahren Kunstprojekte der Uni Koblenz-Landau unterst\u00fctzt, hatte die Idee, die morbide Stimmung fotografisch zu dokumentieren und auf die schwierige Lage der Koblenzer Gastronomieszene aufmerksam zu machen. \u201eDie letzte Fotoausstellung der Studierenden konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden, so haben wir nach Alternativen gesucht und die Idee war geboren.\u201c Der Koblenzer Gastronom berichtet weiter: \u201eIch habe im Nachhinein erfahren, dass es in K\u00f6lner Clubs ein \u00e4hnliches Projekt gegeben hat. Die meisten dieser L\u00e4den haben ihre T\u00fcren mittlerweile f\u00fcr immer geschlossen. Das zeigt die Dramatik der Situation.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-137 alignright\" src=\"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/wp-content\/uploads\/sites\/128\/2020\/10\/a007358e-5b28-4ecf-bd92-0048b5f14e99-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-138 alignright\" src=\"https:\/\/wp.uni-koblenz.de\/fachbereich2\/wp-content\/uploads\/sites\/128\/2020\/10\/e556d651-5cf4-413b-bbed-d1d90c533d89-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das Koblenzer Projekt zeichnet sich unterdessen vor allem durch die engagierte Zusammenarbeit von Lehrenden, Studierenden und Akteur*innen der Gastronomieszene aus. \u201eEs ist eine beklemmende Stimmung\u201c, berichtet eine Studentin. Die Inhaber*innen sind besorgt und angespannt, sie reparieren und renovieren Gastr\u00e4ume und wissen nicht, wann sie die n\u00e4chsten G\u00e4ste werden begr\u00fc\u00dfen k\u00f6nnen. Das Projekt scheint vielen aber auch das Gef\u00fchl zu geben, geh\u00f6rt und vor allem gesehen zu werden. \u201eEinfach etwas anzugehen, etwas zu tun, wo man in dieser Situation doch wie gel\u00e4hmt ist. Das hilft mir f\u00fcr meinen Kopf, nicht durchzudrehen\u201c, gibt David Richard mit einem tiefen Seufzer zu verstehen. Auch die technische Umsetzung des Projektes zeichnet das Koblenzer Vorhaben aus. Die kontrastreichen Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen verst\u00e4rken das Gef\u00fchl der Distanz, mit der wir uns auf unbestimmte Zeit zurechtzufinden gezwungen sind.<\/p>\n<p>Die analoge Fotografie steht sinnbildlich unserem digitalen Alltag gegen\u00fcber, der uns mehr denn je sozial voneinander distanziert. Die ersten praktischen Arbeiten von Martin Lilkendey in Zusammenarbeit mit der Kulturwissenschaftsstudentin Jasmin Rosenbach sind eindr\u00fccklich und zeugen davon, das Studieren in Koblenz mehr bedeutet, als B\u00fccher zu w\u00e4lzen. Bleibt zu hoffen, dass wir die vollst\u00e4ndige Ausstellung im Fr\u00fchjahr 2021 ganz analog und gemeinsam in der Koblenzer Altstadt werden bewundern k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Fotos: Martin Lilkendey, Katharina K\u00f6hler<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde f\u00e4llt Licht durch das Objektiv der Kamera. Mit einem metallischen Klicken wird die Filmspule weitergedreht und durch den Ausl\u00f6ser ein weiterer Augenblick, ein Objekt, eine Stimmung auf das lichtempfindliche Aufnahmemedium gebannt. Doch erst in der Dunkelkammer kann das Bild vergr\u00f6\u00dfert und auf dem Fotopapier sichtbar gemacht werden. 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