Eine Person die einfach in der Welt umhergeht, bewusst ohne jedes Ziel.

 

Ziele zu haben ist gut und wichtig, keine Frage. Doch um mit sinnvollen Zielen in die Zukunft zu blicken, darf man die Gegenwart nicht außer Acht lassen. Denn nur wer sich und die Welt um einen herum gut kennt, kann auch klare Ziele entwickeln sowie Wege und Mittel erkennen, diese zu erreichen. Wenn wir unseren Blick aber immer nur auf das nächste Etappenziel richten, weil wir dieses so schnell wie möglich, ohne Umwege erreichen wollen, verpassen wir auch einiges auf dem Weg dorthin.

 

Beim Flanieren geht es genau darum, kein Ziel zu haben. Es geht darum, umherzustreifen, auch mal innezuhalten, sich und die Welt um einen herum zu beobachten, zu reflektieren. Denn nur so ist es uns möglich, Menschen, Eindrücke, Bilder, Klänge und Gerüche, Dinge, von denen wir bisher nichts ahnten, wahrzunehmen. Dinge, die uns inspirieren, uns zum nachdenken anregen, uns Freude bereiten oder uns ärgern. Dinge, an denen wir normalerweise vorbei hetzen, die wir ausblenden, damit sie uns bloß nicht ablenken, uns bloß keine wertvolle Zeit kosten.

 

Dennoch hat sich wohl jeder von uns schon einmal mehr oder weniger bewusst in einen Flaneur verwandelt. Man wandert einfach so durch die Straßen der Stadt, ohne, dass man ein bestimmtes Ziel verfolgt. Die Gedanken kommen und gehen. Im Urlaub zum Beispiel, wenn man Zeit hat und sich dieses urige italienische Dorf bei einem Spaziergang in der Abendsonne etwas genauer anschaut. Oder mit einem Eis in der Hand und einer Freundin oder einem Freund an der Seite im Sommer auch mal durch Landau schlendert. Doch, Hand aufs Herz, könnt ihr euch noch erinnern, wann ihr das letzte Mal flaniert habt? Diese von Schriftstellern und Philosophen zur Kunstform erhobenen Weise, durch die Welt zu streifen, scheint in unserer Zeit immer weniger Platz zu haben. Und den einst so galanten Flaneur sucht man meist vergeblich in den Straßen der Städte dieser Welt, in denen er zuhause war. Er scheint nicht mehr in unsere moderne Gesellschaft zu passen, in der Schnelligkeit und Effizienz als erstrebenswert gelten.

 

Das Flanieren ist deshalb nicht völlig ausgestorben. Die Menschen tun es noch, in Straßen, auf Wegen, aber auch in ganz neuen Lebenswelten. Heute flanieren wir teilweise auch durch virtuelle Straßen, Räume, sogar durch ganze Welten. Scrollen uns durch unseren Newsfeed, klicken uns von einer Seite zur nächsten. Nicht immer mit einem Ziel vor Augen, häufig leiten uns Langeweile, aber auch Neugier. Denn auch hier kann man Neues entdecken, Ziele entwickeln, Wege erkunden. Gerade jetzt, wo wir viel Zeit zu Hause verbringen müssen, können wir in dieser virtuellen Welt umher flanieren. Wenn es die außergewöhnlichen Herausforderungen, wie wir sie gerade erleben, aber wieder zulassen, lohnt es sich, einen Schritt vor die Haustür zu setzen und die Welt da draußen vielleicht gerade dann mal wieder ganz bewusst wahrzunehmen.

 

Also: Behaltet eure Ziele vor Augen, schaut aber auch mal nach links und rechts, nach oben und unten, vorne und hinten und überall um euch rum, hört hin, erkennt, reflektiert. Wenn ihr das nächste Mal auf dem Weg vom Seminar zum Nebenjob und danach hastig wieder zurück in die Bib seid: Entschleunigt mal. Schaut euch um. Schaut hin. Vielleicht macht ihr ein paar unerwartete Entdeckungen. Vielleicht entdeckt ihr etwas wieder oder etwas Neues oder vielleicht sogar euch selbst.

 

Nehmt euch Zeit aus dem stressigen Alltag auszubrechen und neue Eindrücke zu sammeln und Perspektiven für eure Zukunft zu entwickeln.

Wir freuen uns, wenn ihr mal bei uns vorbei flaniert 😊

FLANEUR

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