Nichtwissen, Vergessen und medizinische Diagnostik

Zuständigkeit: Prof. Dr. Oliver Dimbath

Veranstaltungstyp: Seminar

Zeit: Mi., 16:00-18:00 Uhr

Ort: E 412

Neuere Entwicklungen innerhalb der medizinischen Versorgungssysteme – vor allem im Zusammenhang mit Digitalisierung, aber auch im Kontext verbesserter Diagnoseverfahren – lassen die Diskussion um Patientenrechte, Datenschutz und informationale Selbstbestimmung aufleben. Als problematisch erscheinen Vorstellungen vom gläsernen Patienten, dessen Gesundheitsdaten auf Versicherungskarten gespeichert sind, aber auch die Idee, die Diagnostik auszuweiten. Die Unterscheidung von krank und gesund scheint vor diesem Hintergrund ebenso zu erodieren wie die Idee einer ausschließlich heilenden Medizin. Vorsorge, Vorbeugung oder auch Optimierung könnten vor diesem Hintergrund nicht nur als nützlich, sondern auch als moralische Pflicht verstanden werden.

Medizin wird damit zum Schauplatz neuer (sozial- und wohlfahrtsstaatlicher) Auseinandersetzungen, da Fragen der mit neuen Technologien verbundener Chancen und Risiken neu verhandelt werden müssen. Die Diskussion wirft dabei zunächst medizinische, schnell aber politische, ökonomische und nicht zuletzt ethische Fragen auf, was wiederum die (Wissen-)Soziologie insofern angeht, als eine distanzierte Beobachterperspektive nottut.

Das Seminar wird in zwei Teilen angeboten.

Im ersten Teil, der regulär während des Sommersemesters 2019 stattfindet, kommen einzelne Probleme, die letztlich mit dem Recht auf Nichtwissen oder Vergessen assoziiert werden können, aus soziologischer Perspektive zur Sprache. Die Sitzungen finden im Modus eines Lektürekurses mit Seminardiskussionen statt. Teilnahmevoraussetzung ist die Anfertigung (und Abgabe) von Lektüreexzerpten zu jeder Sitzung. Dieser erste Teil kann als eigenständiges Seminar mit der Abgabe der Exzerpte und – je nach Prüfungsordnung – mit einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen werden.

Beim zweiten Teil, der von Montag, dem 15. Juli bis Mittwoch, dem 17. Juli als Blockseminar im Oberbayerischen Seminarhaus Schönwag stattfindet, geht es um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einem im Semesterverlauf zeitgleich angebotenen Seminar zur Medizinethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Teilnehmer(innen)zahl dieses zweiten Teils ist auf sieben Personen beschränkt. Ihre Aufgabe besteht einerseits darin, eine der Themensitzungen des ersten Teils zu protokollieren. Andererseits entwickeln sie im Austausch mit einem Münchener Seminarmitglied ein Referat, das dann im Laufe der Blockveranstaltung zu Gehör gebracht wird. Dieses Seminar wird durch das Protokoll sowie das ausformulierte Referat (bzw. den eigenen Referatsteil) abgeschlossen.