Finnland 2014 – Tampere

– by Sabine Armbruster

Planung meines Auslandssemesters

Die Planung für mein Auslandssemester war zwar etwas aufwendig, allerdings nicht sehr kompliziert. Nachdem ich mich bei der Universität Koblenz beworben habe und die Bestätigung für die Technische Universität Tampere(TUT) bekommen habe, kam schnell Rückmeldung von Tampere.

Die TUT hat mir ein Dokument geschickt, indem unter anderem die verschiedenen Möglichkeiten einer Unterkunft aufgelistet waren und das Formular für die Bewerbung in TUT.  Die Bewerbung ist nur noch formal, muss allerdings trotzdem gemacht werden. In die Bewerbung müssen die Kurse angegeben werden, die man belegen möchte in dem Auslandssemester und das aktuelle Zeugnis muss beigelegt werden. Da man recht früh schon wissen muss, welche Kurse man belegen muss, ist es sinnvoll, sich schon früh zu überlegen, was man in welchem Semester belegen möchte. ich habe mir von den jeweiligen Professoren in Koblenz eine schriftliche Zustimmung geben lassen, dass der Kurs den ich in Finnland machen möchte auch an der Uni Koblenz von ihnen anerkannt wird.

Ich habe mich für die Unterkunft von TOAS entschieden, was ich nur wärmstens weiterempfehlen kann. Die Zusage dauerte etwas, aber die Agentur ist sehr seriös und fast jeder Student in Tampere hat eine Unterkunft über TOAS.

Die TUT hat mir nach etwa 2 Monaten eine E-Mail geschickt, in der meine Aufnahme bestätigt wurde. Zudem habe ich ein Dokument bekommen, auf dem die Dauer des Semesters und das studieren an der TUT beschrieben war, und ein Dokument mit dem Plan der Orientierungswoche. Danach war Papierkram dran  Das einzige was ich mir besorgen musste, ist ein Passbild. Ich wollte nicht mein Passbild von meinem normalen Ausweis für meinen Studentenausweis nehmen (Ja, in Tampere gibt es richtige Studentenausweise als Karte mit einem Bild darauf. Koblenzer Studenten wissen was ich damit meine).

Nachdem das alles erledigt war, musste ich nur noch einen Flug nach Tampere buchen und Kontakt zu meinem Tutor aufnehmen

Erste Woche in Tampere

Meine erste Woche in Tampere hat schon sehr Programmreich begonnen. Ich bin am Sonntag angekommen und wurde dann von meinem Tutor abgeholt. Allerdings sind die zwei Wohnheime, die von TOAS angeboten werden, einfach mit dem Bus vom Flughafen aus zu erreichen.

Von meiner Unterkunft bin ich sehr begeistert. Ich wohne in Paawola, einer der Unterkünfte von TOAS, in einem Apartment. Wir sind zu dritt und ich habe es ziemlich gut erwischt mit meinen Mitbewohnerinnen. Das Apartment ist sehr groß, hat einen Balkon und mein Zimmer hat etwas über 20 m². Die Waschmaschine ist im Gebäude nebenan und die Benutzung ist in der Miete inklusive, also muss man nichts extra zahlen. Der Supermarkt 5-10 Minuten zu Fuß entfernt und die Bushaltestelle direkt vor der Tür. Die Uni ist auch nur 15 Minuten zu Fuß entfernt. Die Lage ist super und die Wohnung schön. Allerdings muss man daran denken, dass keine Decke, kein Kissen und keine Küchenutensilien vorhanden sind. Diese Dinge kann man sich zwar in der Uni von INTO ausleihen, wir haben uns allerdings dagegen entschieden, da das Zeug schon ziemlich alt war und ich in keiner 10 Jahre alten Decke schlafen wollte. Zum Glück gibt es IKEA (nur 20 Minuten mit dem Bus entfernt) wo alles günstig zu kaufen ist.

Am Montag nach meiner Ankunft ging dann schon die Orientationswoche los. Ich kann nur empfehlen in dieser Woche schon in Finnland zu sein, da doch noch einiges zu organisieren ist, bevor das Semester starten kann. Neben Begrüßungen und Vorstellungen haben wir unseren „reference-letter“ bekommen und mussten die Studiengebühren anhand der „reference-number“ überweißen. Mit dem Überweisungsbescheid wurden wir dann in der Uni registriert und konnten unseren Studentenausweis sowie Zugangsdaten abholen. Außerdem sind meine Tutoren mit mir und meiner Gruppe zum TOAS-office gegangen um den Mietvertrag zu unterschreiben. Da wir schon in der Stadt waren, haben wir uns gleich noch unsere Busfahrkarte geholt. Unbedingt diese Karte in den ersten Tagen holen, da man dadurch eine Menge Geld sparen kann. Die Miete für die Wohnung muss man übrigens erst bezahlen, wenn man den Vertrag unterschrieben hat.

Zudem wurden in der Orientationswoche Einführungen in die jeweiligen Fachbereiche, eine Stadtrundfahrt durch Tampere und eine Einführung zur Anmeldung der Kurse gemacht. Also es ist viel zu tun in der erste Woche, aber man bekommt auch viel Unterstützung.

Studieren an der TUT

Da nun schon die Hälfte meines Auslandssemesters so schnell vorüber ist, kann ich bereits von einige Erfahrungen zum Studienleben an der TUT  berichten.

Universität

Die Universität ist sehr gut organisiert. So kann sich einfach und schnell für die Kurse anmelden und bekommt eine sehr gute Übersicht wann Vorlesungen und Klausuren sind. Das hilft sehr, da man dadurch seine Reise gut im Voraus planen kann. Das Portal zeigt auch viele Veranstaltungen der Universität an und man ist somit top informiert.

Was ich besonders an diesem Studium System mag sind die Semester unterteilt in zwei Perioden. So gibt es zwar Kurse die ein ganzes Semester dauern, oder Kurse die nur eine Periode (sprich 2 Monate) dauern und dann die Klausur schon geschrieben wird. Ich habe gerade meine Klausurwoche hinter mir und von dem her schon zwei von insgesamt 4 Klausuren schon geschrieben. Da ich nur von meinem Studiengang sprechen kann, welcher Informationsmanagement ist, und ich fast nur wissenschaftliche Kurse belegt habe an der TUT musste ich recht viele Assignments schrieben, was ich persönlich aber nicht mehr Arbeit als die üblichen Übungsabgaben an der Uni Koblenz finde. Allerdings werden die Assignments immer zu einem Prozentsatz zur Klausur angerechnet, womit die Arbeit durchaus sinnvoll ist.

Die Vorlesungen sind ähnlich wie die in Koblenz. Ich habe keine Probleme die Professoren zu verstehen, da es auch nicht deren Muttersprache ist und sie meist nicht arg zu schnell reden. Zusätzlich zu meinen Pflichtkursen belege ich noch einen Grundkurs in Finnisch. Verständlicherweise bilde ich mir nicht ein annähernd fließend Finnisch reden zu können nach meinem Auslandssemester, da es auch über 15 verschiedene Grammatiken gibt.

Studentenevent: SitSit

Die Studenten einer technischen Universität heißen „Teekkari“. Um ein solcher zu werden muss man sich verschiedene Stempel holen an verschiedenen Events oder Aktivitäten. Um ein Teekkari zu werden braucht man eine Anzahl von den Punkten und wird dann im Mai bei dem Event „Wappu“ zum Teekkari getauft. Es soll das größte Studentenevent in Finnland sein und über Wochen dauern. Allerdings kann man nur ein offizieller Teekkari werden, wenn man ein Jahr an der Uni studiert. Zudem haben die Studenten ein Overall mit der Farbe ihrer Fachschaft. Die Exchange students bekommen nur einen quitschgrünen (aus diesem Grund habe ich mir keinen geholt und weil er 30€ gekostet hat und dann eh nur im Schrank verweilt).

Nun zum SitSit. Das SitSit ist ein beliebtes Studentenevent von den Teekkaris und aus diesem Grund wollte ich es auch mal ausprobieren. Bevor die Veranstaltung begonnen hat bekamen wir eine Anweisung wie das von Statten geht. Es sitzen immer Mann und Frau gegenüber und man sitzt auch immer neben/ zwischen dem anderen Geschlecht. Während einem Vortrag und dem singen darf nicht gesprochen, getrunken oder gegessen werden. Es gibt einen Mater, der die Veranstaltung leitet. Letzte Regel, man muss immer mit dem linken, dann mit dem rechten und dann mit dem gegenübersitzenden Tischnachbar anstoßen um nach einem gesungenen Lied trinken zu können, wobei anzumerken ist, dass nach jeden Lied getrunken wird. Angefangen hat die Veranstaltung somit mit der Eröffnung durch den Masteri der einen Stock hatte mit einem integrierten Schnapsglas aus dem er immer getrunken hat, sodass er am Ende des Abends 1 Liter Korn intus hatte. Zu dem dürfen wir nicht einfach trinken sondern jedes Getränk musste durch ein Lied eröffnet werden. Jeder durfte an sein Glas klopfen, aufstehen und ein Lied vorschlagen. Hört sich anfangs noch ganz unterhaltsam an, dass viel gesungen wird, aber es ist anstrengend. Wie am Anfang gesagt darf nicht gegessen werden während gesungen wird und um sich gegenseitig zu ärgern wurde viel gesungen. Das Essen wurde kalt, es wurde viel getrunken (wobei man sich auch an Wasser halten kann) und die Lieder aus dem „Teekkari Liederbuch“ sind sehr primitiv und ordinär. Der Abschluss des Abends war eine sehr Frauenfeindliche Rede von einem der Veranstalter der sich als witzig betrachtet hatte. Mir hat die Veranstaltung nicht gefallen. Ich denke jeder sollte es mal ausprobieren und selbst entscheiden, aber mein Fall war es nicht.

Tampere und das Reisen in Finnland

Abgesehen vom Studieren, neue Leute und Nationen kennenlernen und die Erfahrung zu machen im Ausland zu leben, war auch das Reisen ein großer Aspekt meines Aufenthaltes.

Tampere hat eine tolle Lage und von dort aus kann man viel reisen. Allerdings ist auch Tampere sehr sehenswert. Wie jede Stadt besitzt auch Tampere zahlreiche Kirchen. Ich allerdings bevorzuge die Steinkirche, sie sieht besonders aus. Da Tampere eins eine Stadt mit viel Textil-industrien war, sind noch viele alte Industriegebäude vorhanden. Ein Besuch in das Finlayson Museum ist sehr lohnenswert und auch noch umsonst. Sehr schön ist auch ein Spaziergang am südlichen See von Tampere zum Pyynikki Aussichtsturm, wo es die besten Donuts der Stadt gibt. Von lohnt es sich über das Finlayson Gelände zum Näsinneula Aussichtsturm zu laufen. Der Ausblick von den beiden Türmen ist einfach überwältigend.

Von Tampere aus lohnen sich Tagen Ausflüge nach Hämeenlinna, Rauma und Porvoo. Das sind alles drei sehr alte Städte mit den typischen finnischen Holzhäuschen in allen Farben. Es ist sehr idyllisch dort. Ich war an den warmen Tagen dort und ich war begeistert.

Helsinki ist ebenso schnell von Tampere aus zu erreichen. Mit dem Onnibus (wird wirklich so geschrieben J ) bin ich in Finnland sehr günstig von A nach B gekommen. Wenn ich früh genug gebucht habe, habe ich 2€ für eine Fahrt nach Helsinki (2 Stunden) bezahlt. Helsinki selbst ist sehr schön. Ich persönlich finde das es eine etwas andere Hauptstadt ist, weil sie doch recht klein ist und auch viele Gebäude recht neu. Aber durch die Größe hat es auch etwas idyllischen. Meine persönlichen Highlight in Helsinki sind zum einen die Insel Suomenlinna auf der die Festung steht, der Olympiastadium Aussichtsturm und der weiße Dom der über die Stadt thront.

Von Helsinki aus bin ich auch ein langes Wochenende nach Tallinn in Estland mit der Fähre und von Turku aus mit dem Schiff nach Stockholm. Beides sind wirklich tolle Städte. Ich habe die Schifffahrt nach Stockholm sehr genossen, sie war über Nacht und sehr komfortabel.

Ich war auch für 5 Tage in Lappland, was mein absoluter Höhepunkt von Finnland war. Obwohl ich sonst nicht so der Wanderfreund bin, in Lappland war ich es. Es war traumhaft. Die Wanderwege waren super ausgeschildert und es waren auf der Strecke mehrere Hütten, Grillstellen, Holzlager und Plumpsklos die alle umsonst und für jeden zur Verfügung standen. Wir haben ein Feuer in einer Grillstelle im Schnee gemacht und dort unsere Würstchen gegrillt, Rentiere gesehen und gestreichelt und die Nordlichter gesehen. Lappland lässt sich nicht in Worte beschreiben, man muss dort gewesen sein um die Schönheit des Landes, der Gegend zu verstehen.

Das Reisen hat sehr viel Spaß gemacht und ich habe Städte und Gegenden gesehen, zu denen ich ohne meinen Finnland Aufenthalt wohl nie gekommen wäre.

Ende meines Auslandssemsters -Impressionen, Eindrücke, Empfehlungen

Die vier Monate gingen so schnell vorbei. Ich hätte nie Gedacht dass Finnland in manchen Dingen doch sehr verschieden zu Deutschland ist.

Was man in Finnland auf jeden Fall machen sollte:

  • In eine Sauna gehen an der ein See gelegen ist. Direkt nach Sauna in einen See zu springen und danach bei Minus Graden draußen sitzen hört sich eisig an, aber es tut einem wirklich gut.
  • Einen Spaziergang in einem verschneiten Wald machen. Als mir das erzählt wurde, dachte ich anfangs auch nur, warum soll ich in einen Wald voller Schnee gehen. Aber als ich es gemacht habe, habe ich verstanden warum. Es ist einfach ein traumhaft schön.
  • Zu einem Eishockey Spiel gehen
  • Die Nordlichter sehen. Auch wenn die Chancen viel, viel besser in Lappland sind, kann man sie selten aber man kann sie auch in Tampere sehen.
  • Im Dezember sollte man sich die Schaufenster von dem Kaufhaus „Stockmann“ ansehen. Die sind der absolute Wahnsinn.

Natürlich gibt es noch viel mehr in Finnland was man sehen sollte. Aber wie bereits erwähnt, muss man Finnland gesehen habe um zu sehen wie schön es ist.

Meine Zeit in Finnland war schön. Es war eine gute Erfahrung komplett in Englisch zu studieren, auf Englisch Assignments zu schreiben und eine andere Studentenkultur kennenzulernen. Es war interessant und manchmal so lustig Leute aus verschiedenen Ländern kennenzulernen. Wir haben viel füreinander aus dem jeweiligen Heimatland gekocht, viel Karten gespielt und viel miteinander unternommen.

Ich kann nur empfehlen diese Erfahrung zu machen. Es sind Erfahrungen und Erinnerungen die für immer bleiben und nur von Vorteil sein könne.

0