Frankreich 2014 – Montpellier

– by Alena Luca Herwartz

BEWERBUNG UND VORBEREITUNG FÜR MONTPELLIER

Ich studiere Psychologie und Management im 2-Fach-Bachelor. Mitte des 3. Semesters (ca. Mai) entschloss ich mich ein Auslandssemester zu machen. Meine Wunschländer waren Irland- weil ich dort schon mal gewohnt hatte und Frankreich- weil ein Teil meiner Familie französisch ist. Als ich mich im Internet informierte fand ich heraus, dass die Semester- zumindest in Frankreich- andere Anfangs und Enddaten haben. Es beim das Wintersemester möglich das es zu Überschneidungen des Semesteranfangs und der Prüfungsphase kommen könnte. Also entschied ich mich möglichst schon im kommenden Sommersemester zu gehen. Die Bewerbungsfrist für das Erasmusprogramm war allerdings schon vor 2 Monaten abgelaufen. Über eine Dozentin hatte ich erfahren, dass man als Zweifachbachelor nicht nur die Erasmusverbindungen des Basisfaches sondern auch die des Fachbereichs nutzen könnte. Deswegen ging ich zur Auslandskoordinatorin des Fachbereichs für Informatik (da dieser das Basisfach Management betreut) und fragte nach.
Dort half man mir nett weiter und ich erfuhr, dass es noch Restplätze zu vergeben gab.
Ich entschied mich für Montpellier und verfasste mein Motivationsschreiben.
Schnell bekam ich eine positive Rückmeldung und eine Mail meines französischen Ansprechpartners an der Universität Montpellier.

Wohnen:
Unter all den Mails voller Informationen von meinem Ansprechpartner in Montpellier, erreichte mich auch eine in der erklärt wurde wie man ein Studentenwohnheimplatz erhält. Es wird zwar oft gesagt, dass es besser ist in eine WG zu ziehen wenn man ins Ausland geht, aber ich hatte gelesen das Montpellier sehr teuer ist und deswegen zog ich es vor mich auf einen Platz im Wohnheim zu bemühen.
Die Zimmer waren zwar mit 10qm minus Bad nicht sehr groß aber dafür mit ca. 250 Euro billig.
Insgesamt gibt es mehrere Studentenwohnheime in Montpellier, fast alle sind in der Nähe der Universität 1- welche die Hauptuniversität ist. Alle Wohnheime die ich gesehen habe, hatten einen eigenen Fitnessraum und einen Park. Mein Wohnheim hatte auch einen Basketballplatz.

Learning Agreement:
Beim Learning Agreement geht es darum, festzulegen welche Kurse man im Ausland belegen wird und ob man sich die Kurse anrechnen lassen kann. Dabei ist zu beachten das es eine von der Uni vorgegebene Mindest-ETCS- Punktanzahl gibt. Für die Anrechnung muss man den betreuenden Professoren der Module die man sich anrechnen lassen will, einen Kurs an der Auslandsuni vorschlagen der Inhaltlich deckend ist. Dabei müssen auch die ETCS- Punkte ungefähr stimmen. Zum Beispiel besteht ein Modul im Basisfach Management immer aus einer Vorlesung und einer dazugehörigen Übung für zusammen 6 ETCS- Punkte. In Montpellier waren die Veranstaltung nicht in Modulen gekoppelt und waren meist nur 3 ETCS-Punkte wert. Man musste also immer zwei passende Veranstaltung finden und absegnen lassen.
Dabei gilt es auch Landeseigene Besonderheiten mit zu bedenken. Zum Beispiel gibt es Frankreich das Herbst- und das Wintersemester in Deutschland das Winter- und das Sommersemester. Dadurch ergibt sich, dass das französische Herbstsemester unser Wintersemester und das französische Wintersemester unser Sommersemester ist. Dies ist am Anfang etwas verwirrend und führte dazu, dass ich mein Learning Agreement bei meiner Ankunft in Frankreich nochmal überarbeiten musste.

Weitere Vorbereitung:
Generell kann ich nur empfehlen sich die „Erasmus- Checkliste“ die man auf der Uni Homepage im Bereich „Outgoings- Download“ holen kann, genau anzusehen.
Man bekommt am Anfang sehr viele Informationen und muss sehr viel bedenken. Meist ist man nicht allein und die Koordinatoren sagen einen was noch gemacht werden muss aber machen muss man es dann selber und es kommt leicht vor das man bei all den Sachen etwas übersieht.

Da mein Französisch sehr schlecht war hatte ich am Anfang noch mehr Probleme alles zu überblicken und zu verstehen aber es wurde besser mit der Zeit.

MITTEN DRIN

Mittlerweile bin ich schon fast im Endspurt meines Auslandssemester deswegen will ich nochmal berichten wie es mir hier ergangen ist.

Erasmus-Veranstaltungen:
Es gibt sehr viele Freizeitangebote für Erasmusstudenten wie zum Beispiel gemeinsames Schlittschuhlaufen oder ein Sport in dem man in einem riesigen Gummiball steckt und gegen andere Gummibälle um die Wette rollt. Auch der Weinmarkt der zweimal stattfand ist schöner in einer Gruppe zu genießen. Am Anfang des Semesters zeigten eine Gruppe erfahrener französischer Studenten den Erasmusstudenten am Quartier Richter (das ist die Fakultät wo Ökonomie unterrichtet wird) die Universität. Sie gaben uns auch Tipps was das Studium und die Ausgangsmöglichkeiten betrafen.

Kurse:
Bis auf einen Französisch Kurs besuchte ich nur englische Kurse. Die Universität Montpellier 3 bietet für Studenten die im nächsten Semester ins Ausland gehen wollten viele Kurse auf Englisch an. Das hatte den netten Nebeneffekt, dass die Klasse sehr klein war und ich fast immer mit Denselben Leuten in einem Kurs war. Wie schon vor der Anreise half mir mein Koordinator aus Montpellier sehr nett mit der Erstellung meines Stundenplans und anderen Fragen.
Der Französisch Kurs war auch ein Angebot der Uni. Leider war er nicht kostenlos aber das Preis-Leistungs-Verhältnis war in Ordnung.

Gewöhnungsbedürftig war, dass die Kurse nicht immer regelmäßig stattfanden. Es gab öfter Raumänderungen oder Ausfälle die man am Wochenanfang  im online Stundenplan nachschauen musste. Sonst erlebte ich die Dozenten als kompetent und angenehm.

Sport:
Die gute Nachricht ist: die Unisportkurse sind kostenlosen. Der Haken: man muss erst eine körperliche und seelische Begutachtung über sich ergehen zu lassen. Die aber nicht unangenehm ist. Termine sind schwer zu bekommen wenn man nicht lange warten will sollte man sich also früh um einen Termin kümmern.

Unterhaltkosten:
Ich habe mich sehr gefreut, als ich mein Erasmusgeld erhalten habe! Die Lebensmittel sind leider sehr teuer, dafür ist der Erasmussatz aber auch höher als in manch anderen Ländern. Im Laufe des Semesters haben wir dann rausgefunden dass 1. Die Hypermärkte (sehr große Supermärkte z.B. im Odysseum) sehr viel billiger waren und so zogen wir etwa jede Woche gemeinsam los um in die etwas entfernt gelegenen Hypermärkte zu kommen. 2. Gibt es in Montpellier mehrere Lidelfilalien, diese sind um einiges erschwinglicher als die französischen Supermärkte. Auf französische Lebensmittel muss man trotzdem nicht verzichten da das Sortiment gemischt ist.

Wohnen:
Als ich hörte wie viel meine Kommunionen für ihre Wohnungen bezahlen mussten war ich froh im Wohnheim zu wohnen, auch bekam ich durch die Uni und in der Freizeit genug französisch zu hören, so dass ich dies nicht vermisste. Allerdings gab es ein paarmal einen bitteren Beigeschmack: Es gibt im Wohnheim einen eigenen Waschsaloon der auch eine extra Tür hat die man nur mit einem Schlüsselchip öffnen kann. Trotzdem wurde mir ein Teil meiner Wäsche aus der Waschmaschine gestohlen.  Auch war es nervig dass die Zimmertür, welche mit einem Schlüsselchip funktionierte, nicht immer direkt aufging und ich einmal 1 ½ Stunden warten musste. Allerdings ist man nie alleine wenn man ein Problem hat: Die Rezeption ist 24 Stunden besetzt und kümmert sich zum Beispiel darum wenn man seinen Schlüssel vergessen hat.

Transportmittel:
Ein Tramticket kann man 1 Stunde lang benutzen und kostet 1,50€ einzeln und 1€ im 10er Packet. Allerdings sollte man an den Automaten lieber mit Karte bezahlen, da diese manchmal manipuliert werden.
Wenn man länger in Montpellier bleib, empfiehlt es sich eine Monatskarte für ca. 28€ zu kaufen. Diese kann an den Trambüros, zum Beispiel am Bahnhof , erworben werden.

Bank:
Es ist sinnvoll ein französisches Bankkonto zu eröffnen. Es ist meist kostenlos und oft bekommt man einen Bonus für eine Kontoeröffnung. Es ist nur viel Papierkram. Wenn man CAF (Das Wohngeld) beantragen will ist ein französisches Konto Pflicht.

CAF:
Das Wohngeld steht allen Studenten zu die nicht mehr zuhause wohnen. Allerdings will das Amt sehr viele Unterlagen (wie zum Beispiel eine Internationale Geburtsurkunde). Manchmal hat man das Gefühl das sie nur noch mehr Dokumente haben wollen um nicht zahlen zu müssen. Es heißt dran bleiben und nicht locker lassen. Ich selbst habe mein CAF noch nicht bekommen aber hoffe es noch zu erhalten.

AUSLANDSSEMESTER TEIL 3

Die Prüfungen der Universität Montpellier 1 fanden fast alle in ein Gebäude in der Nähe der Universität Montpellier 3 statt. Ich hatte 4 schriftliche Prüfung und eine mündliche Prüfung im Fach Französisch. In einem Fach hatte es über das Semester hinweg immer wieder kleinere mündliche Tests (in Form von Referaten) und schriftliche Vokabelabfragen abfragen gegeben deswegen entfiel hier die Prüfung.

Da die letzte Prüfung am 21.12.2014 stattfand musste ich danach schnell abreisen. Leider fielen damit auch die Vorbereitung für die Abreise in die Lernphase. Die meisten Versicherungen mussten wieder gekündigt werden und auch die Rückreise musste geplant werden. Da Germanwrings nur in der Sommerzeit nach Frankreich fliegt, und die Alternativen sehr teuer sind, entschied ich mich mit dem Fernbus wieder nach Hause zu fahren. Dies hatte auch den netten Nebeneffekt das ich so viel Gepäck wie möglich mitnehmen konnte.

Mein Koordinator schickte mir später meine Noten und die nötigen Unterlagen für das Erasmusamt per Mail und Post.

Fazit:
Ich kann ein Auslandssemester Jedem empfehlen der Lust hat neue Erfahrungen zu machen und neue Blickwinkel einzunehmen. Dies bezieht sich auch aufs Studium weil man neue Denkweisen im eigenem Studienfach kennen lernen kann. Angst alleine zu sein muss man eigentlich keine haben denn man trifft wenn man sich etwas bemüht ständig neue Leute. Ich kann aber nur empfehlen sich gut vorzubereiten denn man ist auch so gefordert genug sich mit allem neuen zu arrangieren. Es ist jedenfalls eine Erfahrung die sich lohnt.

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