Drei studentische Hilfskräfte des Projektes KuLaDig-RLP berichten

„Digitale Erfassung und Präsentation von Kulturlandschaft in Rheinland-Pfalz“ – kurz „KuLaDig-RLP“

Das vom Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz geförderte Projekt KuLaDig-RLP wird vom Institut für Kulturwissenschaft und der SGD-Süd unterstützt und bietet jährlich rund zehn ausgewählten Kommunen die Möglichkeit, ihr jeweils sehr spezifisches kulturelles Erbe medial zu erfassen und digital zugänglich zu machen. Projektleitung (Michael Klemm, Florian Weber und Matthias Dreyer) und Studierende der Universität Koblenz-Landau arbeiten dabei eng mit den örtlichen Akteur:innen zusammen, erstellen zum einen gemeinsam Konzepte und setzen diese multimedial in die Tat um. So werden etwa ausgewählte Objekte u. a. mit QR-Codes sichtbar, lesbar oder hörbar und die kulturelle Vielfalt der Region in ansprechender Weise erlebbar gemacht. Das große mediale Interesse an KuLaDig-RLP zeugt von den zukunftsweisenden Ideen und erfolgreichen Umsetzungen. Von Annweiler über Lauterecken bis Hottenbach – die zahlreichen Artikel in der Regionalpresse erzählen Geschichten von zufriedenen Kommunen, die stolz sind, Teil des Projektes sein zu dürfen. Die Erstellung von Text, Bild, Audio- und Videoaufnahmen sowie Organisation und Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist zeit- und arbeitsintensiv und ohne das engagierte Mitwirken studentischer Hilfskräfte kaum umsetzbar. Die Kulturwissenschaftsstudentinnen Sarah Krieger, Nadja Rieger und Lisa-Marie Lösch sind Ansprechpartnerinnen für die studentischen Projektteams, fungieren als Tutorinnen, schreiben und redigieren Texte, sorgen über die Social-Media-Kanäle für eine ansprechende Öffentlichkeitsarbeit oder unterstützen bei Videoaufnahmen und Postproduktion im Medienlabor. „Ich habe den ersten Projektdurchlauf als Studentin mitgemacht. Damals war ich in Deidesheim und wurde später von der Projektleitung gefragt, ob ich an einer Hilfskraftstelle interessiert sei. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her und ich bin froh, zugesagt zu haben. Die Arbeit in der Kommune, wirklich ins Feld zu gehen, hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich aktuell sogar wieder vor Ort in Kierweiler mitwirke“, erzählt Sarah Krieger und fügt hinzu: „Es ist wirklich wichtig, die Ortschaft kennenzulernen, nicht aus der Ferne die Texte zu schreiben, mal einen Tag Fotos zu schießen und das war‘s, sondern sich wirklich darauf einzulassen und zu verstehen, was den Menschen dort wichtig ist. Das ist keine oberflächliche Arbeit, sondern geht in die Tiefe!“ Die richtige Herangehensweise sei ein spannender Lernprozess gewesen. Mittlerweile können die Hilfskräfte als auch das Projekt im Allgemeinen auf Erfahrungswerte zurückgreifen, wodurch die Arbeitsabläufe deutlich strukturierter als zu Beginn geworden seien. Noch bevor es zum Außeneinsatz in der jeweiligen Kommune kommt, werden Videokonferenzen mit den Hauptansprechpartner:innen abgehalten, erste Literaturrecherchen geben Aufschluss darüber, welche Objekte in Szene zu setzen sind und wie dies am besten gelingt. „Wir wissen meist vorab schon sehr viel über Ortsgeschichte, Gebäude, Skulpturen oder andere Objekte und machen uns Gedanken, welche Fotos und Texte nötig sind oder sogar, wo wir beispielsweise Detailaufnahmen brauchen.“ Vor Ort sind die Projektgruppen meist mehrere Tage, sammeln bei der Begehung erste Eindrücke und kommen in den Genuss exklusiver Führungen und Erläuterungen etwa durch Ortshistoriker:innen oder Tourismusleiter:innen. „Das sind spannende Einblicke, die uns gewährt werden und die in dieser Art und Weise nur sehr wenige bekommen, in Laubenheim beispielsweise ist Lisa mit Studis und dem halben Dorf in eine Mühle gegangen. Das war für alle ein besonderes, einmaliges und vor allem gemeinsames Erlebnis.“

Die häufigste Frage an Kulturwissenschaftler:innen: Was macht man denn damit? – Die Projektarbeit bringt wertvolle Praxiserfahrungen mit sich.

Für Sarah Krieger ergab sich bereits aus dem ersten Projektdurchlauf eine Praktikumsstelle in der Tourismusinformation in Deidesheim. Überhaupt sei die Projektarbeit eine wunderbare Möglichkeit, die Theorie aus dem Hörsaal in die Praxis vor Ort zu tragen, sich kreativ auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und schließlich auch berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Dabei sind die Aufgaben und Ausrichtungen vielseitig. Während Sarah vor allem die Planung, Organisation und Kommunikation schätzt und sich eine berufliche Zukunft im Kulturmanagement gut vorstellen kann, ist Lisa für die technische und kreative Umsetzung in Bild und Ton zu begeistern und Nadja fühlt sich im Bereich PR zu Hause. „Ich war in Hörgrenzhausen, dort gilt die Töpferei als wichtiges Kulturgut und jetzt weiß ich total viel über Töpferei und finde das total cool [lacht]! Das mag sich jetzt albern anhören, aber es ist ein absoluter Bonus, von interessanten Dingen zu erfahren, die man ansonsten niemals auf dem Schirm gehabt hätte. Mir war nicht bewusst, dass die Töpferei Themen wie Nachhaltigkeit, zukunftsweisende Forschung und Technik beinhaltet. So erweitern wir ganz nebenbei unseren Horizont“, berichtet Nadja Rieger begeistert. Neben diesen unerwarteten Erfahrungen schätzen die studentischen Hilfskräfte die historischen Einblicke sowie das Gefühl, nach langwieriger Planung mit einem fertigen Ergebnis belohnt zu werden. Gleichzeitig sei dieses „Endprodukt“ und die damit verbundenen Erwartungshaltungen vonseiten der Projektleitung, der jeweiligen Kommune als auch der studentischen Teams selbst in Einklang zu bringen, ehrgeiziges Ziel und größte Herausforderung zugleich. Perfektion, das haben Sarah, Nadja und Lisa dabei gelernt, gebe es nicht. „Beispielsweise bei Farbkonzepten für unseren Social-Media-Auftritt haben wir uns schwergetan. Designkonzepterstellung ist nicht umsonst ein Ausbildungsberuf und wir sind auch kein professionelles Filmteam, da sollten wir uns realistische Ziele setzen. Aber ich denke, eine der größten Stärken von uns Kulturwissenschaftler:innen ist ein lernwilliges Sich-Ranwagen!“

Projektarbeit, studentische Hilfskraft: Kann ich das überhaupt?

Offenheit, Empathie und Interesse solle man in jedem Falle mitbringen, raten die KuLaDig-Hiwis und ergänzen: „Das lässt sich nicht an einem halben Tag erledigen. Die Teilnehmer:innen sollten sich schon bewusst machen, dass sie es nicht mit einer Vorlesung zu tun haben, in der sie 90 Minuten mitschreiben und dann nach Hause gehen. Projektarbeit heißt rausgehen, mit Menschen sprechen und Neues kennenlernen.“ Die Freude am Lernen und eine gewisse Flexibilität seien obligatorisch. „Es ist ein fluider und zyklischer Prozess, auf den man sich einlassen muss“, meint Sarah. Der Perspektivwechsel belohnt die Teilnehmer:innen mit wertvollen Erfahrungen und einer Vielzahl an Kompetenzen, die man sich innerhalb kürzester Zeit aneignet. Außerdem sei die Projektarbeit wie ein Test, der die Fragen: Was kann ich jetzt eigentlich und war es die richtige Entscheidung, Kulturwissenschaft zu studieren, aufwerfe. Die Antwort der drei jungen Studentinnen ist eindeutig: „Das ist definitiv das Richtige für uns!“

Sarah, Nadja und Lisa sind mittlerweile erfahrene Hilfskräfte, berichten aber dennoch von anfänglichen Unsicherheiten: „Ich glaube, bevor ich die Stelle hatte, empfand ich die Stellenausschreibungen als einschüchternd. Ich habe mir das irgendwie nicht zugetraut, aber man findet sich wirklich rein, es ist teilweise ein ‚Learning by Doing‘. Man darf einfach keine Angst haben, Fragen zu stellen, etwas noch nicht so gut zu können oder auch mal Fehler zu machen und manchmal sollte man sich auch einfach klarmachen, dass man Kompetenzen hat, die sich lohnen eingebracht zu werden.“ Das positive Feedback zu ihrer Arbeit motiviert die drei und gibt Selbstvertrauen. Zum Schluss hebt Sarah noch einmal die zahlreichen Möglichkeiten hervor, sich studentisch in den Forschungsbetrieb einzubringen: „Mittlerweile habe ich drei Hiwi-Stellen neben meinem Studium und natürlich ist da zeitlich irgendwo eine Grenze, aber am liebsten würde ich mich noch an vielen anderen Projekten beteiligen: Kultur im Wandel, Esskulturen, Koblenz Postkolonial, es gibt einfach eine unglaubliche Vielfalt an der Uni Koblenz, aus der man Erfahrungen schöpfen kann. Ich kann nur dazu raten, es auszuprobieren und diese Angebote wahrzunehmen.“